Es gehen Bananen auf Reisen

Wenn die Mestizen
in den großen Plantagen Brasiliens
oder Westindiens
die grünen Früchte
in die langen Kisten verpacken,
dann notiert
der Großhändler in Wien
schon die nächste Bestellung.

Dann leeren sich
die weißgetünchten Zellen
in den Reifeanlagen,
dann rollen
die letzten gelben Bananenstämme –
bis zu 40 kg schwer –
hinaus auf die Märkte.

Drei Wochen schwimmen
die grünen Bananen
in Kühlzellen
auf den großen Frachtern unverpackt
über den großen Teich.

Ab Hamburg rollen sie dann
in Thermowagen der Bundesbahnen
nach Berlin, nach Stockholm
oder nach Wien.

80.000 Bananen
reifen zur Hochsaison zwischen Februar
und Juni
in den Bananenzellen.

In rund acht Tagen
ist aus den grünen Früchten
ein leuchtend gelber Bananenstamm geworden,
rollen die Galgen auf den Stahlrahmen heran

und der Bananenmeister schwingt
die gebogene Klinge des Spezialmessers.

Zehn Schilling und fünfzig Groschen kostet das Kilo.

Bild-Telegraf, Jänner. Zeilenumbrüche nicht im Original.

Kategorie: 1956 06.01.2026