Als die Wut Stalins Herz sprengte

Diese Szene hat Weltgeschichte gemacht! Ilja Ehrenburg, der sowjetische Schriftsteller hat sie letzthin seinem Freunde Sartre, dem französischen Literaten, erzählt.

Es war der 1. März 1953. Im Kreml tagte das sogenannte Politbüro der Kommunistischen Partei, d.h. der Kreis der Obersten Parteibosse. Es wehte gleich ein scharfer Wind, weil Kaganowitsch forderte, man sollte die sogenannte Ärzteverschwörung untersuchen lassen. Es ging das Gerücht in Moskau, Stalin habe die Verschwörung nur erfunden, um prominente Ärzte umbringen zu lassen.

Kaganowitsch führte eine heftige Sprache. Die anderen stimmten ihm zu. Vielleicht fürchteten sie insgeheim, nach den Ärzten könnten sie die nächsten Opfer sein.

Stalin packte die Wut gegen seine Freunde und Mitarbeiter. In einer maßlosen Rede warf er Drohungen und Schimpfworte um sich.

Da sprang Mikojan, der die Gefahr des Augenblicks erkannte, auf und schrie:

"Wenn wir nicht frei aus diesem Zimmer herauskommen, wird Militär den Kreml besetzen!"

Stalin spürte, dass auch die Rote Armee mit im Spiel sein könnte. Sein Gesicht wurde blaß vor Schrecken. Dann blutigrot vor Wut. Er schrie, ja er kreischte mit schriller Stimme. Kaganowitsch zog sein Parteibuch aus dem Rock, zerriss es unter den Augen des Tyrannen und warf ihm die Papierfetzen ins Gesicht.

Stalin, ohnmächtig vor Erregung, griff nach einem Klingelknopf, um seine getreue Kremlwache zu alarmieren. Aber noch ehe der Finger die Klingel drücken konnte, sprengt ihm die Wut das Herz. Vom Schlag getroffen, sank er zu Boden.

Zeichnung wie angeblich Stalin starb
Bild-Telegraf 9. Jänner 1956
Kategorie: 1956 09.01.2026